Naturkautschuk und dessen aktuelle Herausforderungen
Fair Rubber verbessert die Arbeits- und Lebensbedingungen der Erzeuger:innen und den nachhaltigen Anbau von Naturkautschuk. Mitglieder von Fair Rubber e.V. zahlen pro Kilogramm Kautschuk eine Fair-Trade-Prämie an die Produzent:innen. So sichert das Kautschuk-Siegel von Fair Rubber einen fairen Handel und eine umweltschonende Produktion von Kautschuk.
„Das Fair Rubber-Logo ist das meistverbreitete Siegel in der Kautschukproduktion. Über 30 Unternehmen aus FMCG (Fast Movin Consumer Goods), Bauwirtschaft, Medizin- und Textilindustrie sind Mitglied von Fair Rubber und unterstützen mit ihren Schuhen, Haushaltswaren, Fahrradartikeln und weiteren Konsumgütern den fairen Handel und die umweltschonende Produktion von Kautschuk.“ sagt Stefan Hörmann GF von Fair Rubber e.V.
Trotz der positiven Entwicklung innerhalb des Fair Rubber Kosmos’ gibt es dennoch echte Herausforderungen in den nachhaltigen Kautschuklieferketten, wie etwa Klimawandel, Preisdruck, Geopolitik, Complianceanforderungen.
Klimawandel
Es besteht eine hohe Abhängigkeit von stabilen klimatischen Bedingungen, wie beispielsweise Ertragsrisiken.
Naturkautschuk stammt überwiegend aus Südostasien. Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren oder veränderte Regenzyklen beeinträchtigen Erträge und Qualität.
Klimatische Veränderungen begünstigen Pilzbefall (z. B. Leaf Fall Disease), was Ernteausfälle und längere Regenerationszeiten der Plantagen verursacht.
Preisdruck
Strukturelle Unterbewertung trifft volatile Märkte. Naturkautschuk steht im direkten Wettbewerb mit synthetischem Kautschuk (erdölbasiert), dessen Preis stark vom Ölmarkt abhängt.
Kleinbäuerliche Strukturen (rund 85–90 % der Produktion) tragen das größte Risiko, erhalten aber oft Preise nahe oder unter Produktionskosten.
Nachhaltigere, rückverfolgbare oder zertifizierte Qualitäten sind teurer – der Markt honoriert dies bislang nur begrenzt.
Geopolitik
Globale Abhängigkeiten und neue Machtachsen entstehen.
Die starke Fokussierung auf wenige Herkunftsländer macht die Lieferketten anfällig für politische Instabilität, Exportbeschränkungen oder Infrastrukturprobleme.
China ist einer der größten Abnehmer von Naturkautschuk. Infolgedessen wirken sich Veränderungen in Handelspolitik, Lagerstrategien oder Konjunktur direkt auf Weltmarktpreise aus.
Geopolitische Spannungen, Sanktionen, steigende Transportkosten oder unterbrochene Seewege beeinflussen Lieferzeiten und Kosten.
Einhaltung & Regulierung
Die Anforderungen wachsen, die Transparenz bleibt begrenzt. Nehmen wir die EU-Entwaldungsverordnung EUDR, eine begrüßenswerte Richtlinie. In Zusammenhang mit der Entwaldungsfreiheit müssen Unternehmen nachweisen, dass Naturkautschuk nicht mit Entwaldung oder illegaler Landnutzung verbunden ist.
Besonders schwierig bei komplexen, fragmentierten Lieferketten mit vielen Zwischenhändlern bleibt die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten.
Sozialstandards, wie Arbeitsrechte, faire Entlohnung, Landrechte und Kinderarbeit rücken stärker in den Fokus von Audits und Berichterstattung. Dadurch erhöht sich der Dokumentationsaufwand, denn hohe administrative Anforderungen treffen auf Produzent:innen, die oft wenig Ressourcen für formale Compliance haben.
Die Folgen aller genannten Punkte sind steigende Kosten und ein möglicher Ausschluss von Lieferanten.
Die Lösung: Aktive Partnerschaftsmodelle
Resiliente Partnerschaften und langfristige Beziehungen sind heute wichtiger denn je. Das ist auch der Lösungsvorschlag, der aus einer aktuellen Studie des Global Nature Funds hervorgeht.
Wir bei CHARLE arbeiten von Anfang an an langfristigen und stabilen Beziehungen zu unseren Lieferanten, bewussten Materialentscheidungen und einer klaren Haltung zu Qualität, Langlebigkeit und Verantwortung. Seit 2011 beziehen wir von ein und denselben Lieferanten unseren Naturkautschuk. Ein Lieferant, der sich seither ausdrücklich gegen Kinderarbeit ausspricht, gleichbleibende Qualität liefert, inzwischen FSC zertifizierte Plantagen bewirtschaftet und grundsätzlich an einer umwelt- und sozialgerechten Entwicklung interessiert ist.
Mit der Unterstützung von Fair Rubber e.V. wollen wir die Bedingungen der Kleinbauern und Plantagenbesitzer aktiv verbessern. Es braucht dafür viel Zeit, Geduld und Überzeugungsarbeit, die sich langfristig auszahlt.
Was es darüber hinaus braucht, sind starke Kund:innen, Unternehmen und Global Player, die unseren Weg bewusst mitgehen und langfristig an unserer Seite bleiben. Denn Wertschätzung für unseren verantwortungsvollen Ansatz verliert an Wirkung, wenn Entscheidungen am Ende zugunsten günstigerer, weniger engagierter Anbieter ausfallen.